Die Welt in Tübingen – Landesmissionsfest am 20.06.2021

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Begegnung über Kulturgrenzen hinweg mit Gott und den Menschen

Herzliche Willkommen beim „anderen" Landesmissionsfest 2021

Was verbindet Württemberg mit Indien, Südafrika oder Jordanien? Warum engagiert sich ein kleines Missionswerk aus Tübingen für die Menschen im Kongo? Die Evangelische Landeskirche, der Kirchenbezirk Tübingen und das Deutsche Institut für Ärztliche Mission e. V. (Difäm) laden herzlich ein, beim diesjährigen Landesmissionsfest am 20. Juni 2021 in Tübingen und online über Auslandsbeziehungen und weltweite Partnerschaften ins Gespräch zu kommen.

Der Gottesdienst am 20.06.21 wurde aufgezeichnet und kann jederzeit unter diesem Link abgerufen werden.

 

Eindrücke vom Landesmissionsfest 2021


Porträt

sep

Die deutsche Kirche ist wie Maultaschen 

Das zweitägige Landesmissionsfest ging mit einem bunten und internationalen Festgottesdienst in der Tübinger Stiftskirche zu Ende 

„Freundlich und geziemend wird die gesamte Einwohnerschaft der hiesigen Stadt in die hiesige Stiftskirche zum Missionsfest eingeladen“ so lautete die Einladung zum 1. Missionsfest im Jahr 1821. Dass das 200. Fest ganz anders als damals, vorwiegend digital und ausgerechnet in Tübingen gefeiert wurde, ist Corona zu verdanken. Der Kirchenbezirk Tübingen hat sich bereit erklärt, trotz erschwerter Bedingungen, das Fest auszurichten. 

Über die Anfänge, die 200jährige Geschichte des Festes und über die Missionsarbeit berichteten Judith und Dr. Jürgen Quack in einem digitalen Vortrag am Samstagabend zum Auftakt der Veranstaltung. Mit der Basler Mission wirkte er fünf Jahre in Nigeria, doch Mission habe er mehr in seiner Zeit als Pfarrer in Tübingen in den 70er Jahren erlebt. 

„Es ist eine einmalige Geschichte in Württemberg“, betonte Dr. Gisela Schneider, Direktorin des Difäm und Vorsitzende der Württembergischen Arbeitsgemeinschaft für Weltmission (WAW), die auf die über 100 Missionswerke in der Württembergischen Landeskirche verwies. In der anschließenden Diskussion stand die Frage im Raum, ob Mission heute noch zeitgemäß, oder ob der Begriff „Mission“ inzwischen überholt sei. Klaus Rieth, der zuständige Kirchenrat für Mission und Ökumene widersprach vehement: „Wir dürfen das Wort Mission nicht aufgeben. Jedes Unternehmen hat ein „Mission Statement“, da müssen wir uns als Kirche nicht verstecken.“ Dr. Kerstin Neumann von der Evangelischen Mission in Solidarität (ems) verstehe Mission als eine internationale Lerngemeinschaft, in der Geld, Personal und Bildung geteilt werden können. Auch Theologie teilen gehöre dazu, ergänzte Rieth. Martin Kocher von der Liebenzeller Mission betonte, dass Mission kein theologischer Schlagabtausch sei, sondern ein gegenseitiges Interesse aneinander. Authentizität und die Klarheit des eigenen Glaubens führen dazu, dass Menschen Fragen haben. So könne man auch in unterschiedlichen Kulturkreisen miteinander sprechen und voneinander lernen, schloss Dr. Schneider die Diskussionsrunde. 

„Am Anfang steht ein Traum, keine Missionskonferenz. Am Anfang steht eine Vision und nicht die wohlabgestimmte strategische Planung der jungen Kirche“, so Prälat Dr. Christian Rose in seiner Predigt beim Festgottesdienst am Sonntag in der Tübinger Stiftskirche. In der Mission brauche es Menschen, deren Herzen offen seien für das Wort Gottes, die Brücken bauen zwischen Ländern und Kulturen und das Evangelium verständlich weitergeben. So wie Lydia, die erste Christin Europas. 

Über die Erfahrungen mit dem Evangelium in Kamerun sprach der Generalsekretär des ems, Dr. Dieter Heidtmann mit dem Ehepaar Ilona und Chrysanthus Neba aus Stuttgart. Auf die Frage, mit welchem Gericht er als Koch die deutsche Kirche vergleichen würde, sagte der gebürtige Kameruner Neba: „Mit Maultauschen, weil in Deutschland jeder für sich allein glaubt.“ In Kamerun sei die Kirche wie ein bunter und gut gewürzter Brei. 

Der Pfarrer der Presbyterianischen Kirche von Korea Kwon Ho Rhee, der als Urenkel eines der ersten koreanischen Missionare in Stuttgart die Evangelisch-Koreanische Nambugemeinde leitet, berichtete über die Missionsgeschichte Koreas. Viele der jungen Intellektuellen hoffen mit Hilfe des Christentums die Modernisierung und Internationalisierung des Landes zu schaffen. Manchmal entstehe Mission aus dem Zufall, betonte Rhee und zitierte Worte des Evangelisten Johannes: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt.“ 

Leider könne die WAW nicht wie geplant zu einem rauschenden Fest einladen, bedauerte Dr. Schneider die strengen Vorgaben der Stadt, doch sie hoffe, im Gottesdienst sei etwas von der weltweiten Kirche deutlich geworden. „Wir können viel voneinander lernen“, betonte sie und lud zum digitalen Spaziergang auf der Internetseite des Missionsfestes ein, auf der sich eine große Zahl der Mitgliedswerke in kleinen Videos vorstellen. 

Das nächste Landesmissionsfest findet im Juli 2022 im Kirchenbezirk Crailsheim statt. 

Autorin: Magdalena Smetana, Medienbeauftragte im Kirchenbezirk Tübingen